ISO 9001 2015Bevor im September 2015 die neue ISO 9001:2015 veröffentlicht wird, liegen schon jetzt mit dem Draft International Standard (DIS) die wichtigsten Änderungen der Norm vor. Es geht um folgende 7 Handlungsfelder, die von Qualitätsverantwortlichen neu überdacht werden müssen:

1. Strategische Ausrichtung der Organisation

Das Qualitätsmanagementsystem muss zukünftig in die strategische Ausrichtung der Organisation eingebunden werden. Die oberste Leitung muss dazu sicherstellen, dass die Qualitätspolitik und die Qualitätsziele mit der strategischen Ausrichtung und dem Kontext der Organisation vereinbar sind. Die neue Norm fordert zudem, dass die Unternehmen erfassen, welche internen und externen Belange (z.B. gesetzliche, technische, wettbewerbliche oder soziale Belange) Einfluss auf Ziele, Strategie und Ergebnis des QM-Systems haben.

2. Erweiterung der Zielgruppen

ISO 9001:2015 fordert zukünftig eine Festlegung von für das QM-System relevanten interessierten Parteien und deren Anforderungen. Diese können z.B. Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Kooperationspartner, Kostenträger etc. sein. Die neue Norm erweitert hier die Kundenorientierung um weitere Zielgruppen, die in den Fokus des Qualitätsmanagements rücken sollen. Dazu soll die Organisation berücksichtigen, welche Auswirkungen die Parteien auf die Konformität von Produkten und Dienstleistungen haben.

3. Prozessmanagement wird wichtiger

ISO 9001:2015 legt größeres Gewicht auf den prozessorientierten Ansatz und auf die Forderung nach einem umfassenden und systematischen Prozessmanagement. Neu ist auch, dass bei der Festlegung der Prozesse Folgendes bestimmt wird: erwartete Ergebnisse der Prozesse, Leistungsindikatoren zur Prozesslenkung, Verantwortungen und Befugnisse sowie Risiken und Chancen, die die Zielerreichung der Prozesse beeinflussen könnten.

4. Verteilung der Verantwortlichkeiten

Auch im Bereich der Verantwortlichkeiten tut sich etwas. ISO 9001:2015 nimmt die oberste Leitung für das Qualitätsmanagement stärker in die Verpflichtung. Diese soll die Verantwortung für die Wirksamkeit und die Leistungsfähigkeit des QM-Systems tragen und andere Führungskräfte in ihrer Führungsrolle für das QM-System stärken. Mitarbeiter sollen so eingesetzt, angeleitet und unterstützt werden, dass sie zur Wirksamkeit des QMS beitragen können. Die Funktion des Qualitätsmanagementbeauftragten, der diese Aufgaben bisher übernommen hat, wird dagegen nicht mehr explizit gefordert. Die Organisation gewinnt dadurch mehr Spielraum, die Verteilung der QM-relevanten Aufgaben flexibel vorzunehmen. Bestehende Strukturen, die eine spezielle verantwortliche Person beinhaltet, können aber natürlich beibehalten werden.

5. Risikomanagement

Völlig neu aufgenommen in die ISO 9001:2015 wurde die Forderung nach einem systematischen Umgang mit Risiken und Chancen. Organisationen müssen zukünftig Risiken und Chancen identifizieren, analysieren, bewerten sowie Gegenmaßnahmen planen, umsetzen und ihre Wirksamkeit kontrollieren. Wie sie dies zu tun haben, legt die ISO 9001:2015 nicht genau fest .

6. Wissensmanagement

Wissen ist in der heutigen Wirtschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor. Die Revision der ISO 9001 trägt diesem Umstand Rechnung und fordert einen systematischen Umgang mit Wissen. Dazu gehört, das notwendige Wissen zur Durchführung der Prozesse festzuhalten, aufrechtzuerhalten und für alle Mitarbeiter verfügbar zu machen. Wie das Wissensmanagement umgesetzt werden soll, dazu macht die neue ISO 9001 keine Vorschriften. Es kommt vielmehr darauf an, ein für das jeweilige Unternehmen passende Wissensmanagement aufzubauen.

7. Dokumentation – Papier-QM-Handbuch war gestern

Bei der Umsetzung der Dokumentation bietet die Revision der Norm ISO 9001 zukünftig viel mehr Spielraum. Ein QM-Handbuch, in vielen Unternehmen DAS Instrument, um Überblick über das gesamte Unternehmen, das QM-System, die Strukturen und Abläufe abzubilden, wird mit der Revision nicht mehr explizit gefordert. Die Norm passt sich hier heutigen Unternehmensrealitäten, in denen Dokumentationen häufig EDV- oder webbasiert abgebildet werden, an. Ein ausgedrucktes Handbuch ist dafür nicht mehr zwingend erforderlich und praktikabel. Änderungen gibt es auch hinsichtlich der früheren Unterscheidung von Dokumenten und Aufzeichnungen. Diese werden nicht mehr unterschieden. Es wird stattdessen von dokumentierter Information gesprochen, die in der EDV hinterlegt werden soll.

Fazit

Zusammengefasst zeigt sich, dass einserseits die Anforderungen an die oberste Leitung sowie an die Qualitätsverantwortlichen steigen und andererseits die neue Norm an vielen Stellen den Unternehmen mehr Flexibilität bei der Umsetzung ihres QM-Systems zugesteht. Qualitätsverantwortliche sollten die Revision nutzen, um bestehende QM-Systeme weiterzuentwickeln und bestehende Strukturen zu hinterfragen. So kann der Weg zu einem praxisnahen und erlebbaren Managementsystem freigemacht werden.

Mehr Informationen zur Revision ISO 9001:2015 erhalten Sie bei unserer Informationsveranstaltung “Die Großrevision DIN ISO 9001:2015 im Fokus” sowie in unserem Workshop “Risikomanagement – Qualitätsrisiken managen“.

 

Die 7 wichtigsten Änderungen der DIN ISO 9001:2015
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10 thoughts on “Die 7 wichtigsten Änderungen der DIN ISO 9001:2015

  • April 27, 2015 at 10:00 am
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    Ich denke, dass die ISO9001:2015 eine bessere Akzeptanz für das Qualitätsmanagement schafft, da die Norm jetzt praxisorientierter ist. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr so stark auf Dokumentationsvorschriften. Jetzt rückt stärker das Thema Optimierung von Prozessen in den Mittelpunkt.

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  • Pingback: Wichtige Termine und Übergangsfristen der Revision ISO 9001:2015 | QM-Blog

  • July 17, 2015 at 11:43 am
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    Vielen Dank für diese gut verständliche Übersicht. Im Rahmen der Wissensbilanzierung ist mir dieses Thema in der ISO 9001:2008er Form, nach der wir selbst zertifiziert sind, bereits sehr vertraut. Ich bin gespannt, wie die Revision der ISO 9001 im Mittelstand angenommen wird.
    Beste Grüße aus Bremen,
    Detlef Kahrs ( Inhaber http://www.WISSENSBILANZ-DEUTSCHLAND.de )

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  • September 3, 2015 at 9:38 am
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    Aus meiner Sicht klingen die Änderungen zunächst sehr sinnvoll und können zu einer besseren Akzeptanz des QMS in der Organisation führen. Insbesondere die stärkere Fokussierung auf Prozesse und deren Einflussfaktoren bietet Potenzial zur kontinuierlichen Verbesserung der Organisationen.
    Gespannt bin ich allerdings sehr auf die praktische Umsetzung in den Unternehmen.

    MfG aus Herxheim bei Landau

    Michael Klein

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  • Pingback: Terminologische Unterschiede zwischen ISO 9001:2008 und ISO 9001:2015 | QM-Blog

  • January 13, 2016 at 2:53 pm
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    Hallo
    ich habe da mal eine Frage aus aktuellem Anlass.
    Muss eine ISO Zertifizierte Firma ihre erhaltenen Rechnungen nun mehr auf Papier zugeschickt bekommen? Finanzamt hat ja nichts mehr dagegen. Dort kann man seine Rechnungen per Email und als PDF verschicken.

    Vielen Dank

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    • January 20, 2016 at 7:58 pm
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      FA hat grundsätzlich nichts mit QMS zu tun, d.h. es obliegt der unternehmerischen Entscheidungsfreiheit, ob die Rechnungen per Email verschickt werden, oder schriftlich auf dem Postweg zugesendet werden. Lediglich, sowohl die kaufmännische, als auch die QMS Anforderungen hinsichtlich der Archivierung der Dokumente muss eingehalten werden!!!

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  • March 12, 2016 at 8:22 pm
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    Hallo, ich muss das QM Handbuch auf Din EN ISO 2015-11 umstellen, was mache ich denn, wenn es keine expliziten Überschriften gibt, bzw. diese nicht vorgesehen sind? Vor allem im Inhaltsverzeichnis…Z.B. Pumkt 4.4.1 und Punkt 4.4.2, aber es sind ja noch einige mehr, wer weiß, was ich da tun kann?

    Mit freundlichen Grüßen – B. Wegner

    Reply
  • March 13, 2016 at 4:07 pm
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    Hallo,

    ich muss das QM-Handbuch auf DIN EN ISO 2015-11 umschreiben, nun gibt es aber Punkte, die keine eigenständige Überschrift haben, kann ich da einfach eine einsetzen? oder bleibt das einfach leer?
    Danke für eine Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen

    Björn Wegner

    Reply
  • May 5, 2016 at 3:06 pm
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    Hallo,
    vielen Dank für diese Zusammenfassung der wichtigsten Änderungen der ISO 9001.

    Ich finde es einerseits sehr gut, dass Sie diesen Überblick erarbeitet haben, auf der anderen Seite aber hätte ich es mir aber eher gewünscht, dass Sie bei einigen Stellen “härter am Wind gesegelt” wären, also näher an der Norm. Einfach mal als Beispiel das Thema Risikomanagement – natürlich wird in der Norm stärker als vorher gefordert, dass man sich mit den Risiken und Chancen beschäftigt. Allerdings wird in der Norm an keiner Stelle der Begriff “Risikomanagement” erwähnt, es ist immer nur vom “risikobasierten Denken” die Rede. Wer sich schon mal näher mit dem Thema Risikomanagement beschäftigt hat, der sieht doch schon große Unterschiede zu den Forderungen, die die Norm aufstellt.

    Zweites und letztes Beispiel ;-) Sie schreiben “Papier-QM-Handbuch war gestern”. Ich würde es mal so formulieren “Papier-QM-Handbuch war vorgestern”. Denn natürlich wird jetzt kein Qualitätsmanagementhandbuch mehr gefordert, so wie es noch in der ISO 9001:2008 der Fall war – aber auch dort stand schon “Die Dokumentation kann in jeder Form oder Art eines Mediums realisiert sein. ” Also gab es auch in der Vorgängernorm nicht mehr die Forderung nach einem Papierhandbuch.

    Viele Grüße
    Michael Thode

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