Lange hat die Bildungsbranche auf eine Norm gewartet, die auf ihre speziellen Bedürfnisse abgestimmt ist und einen international anerkannten Referenzrahmen für Bildungsdienstleistung bildet. Die Lösung kam 2010 mit der ISO 29990, die sich mit dem Titel „Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – grundlegende Anforderungen an Dienstleistende“ als Branchennorm erweist. Im Gegensatz zur ISO-Normenreihe 9000ff., die ihren Ursprung in der Automobilindustrie hat und damit Übersetzungsleistungen erfordert, ist die ISO 29990 sprachlich anschlussfähig. Sie richtet den Fokus auf den Lernenden, die Lernergebnisse, die Lerndienstleistung und die Kompetenz des Lerndienstleisters.

 

Inhalte der ISO 29990

Die wesentlichen Forderungen der ISO 29990 sind in den folgenden Kapiteln enthalten:

Kap.3 Lerndienstleistungen

3.1 Bestimmen des Lernbedarfs

3.2 Gestalten von Lerndienstleistungen

3.3 Erbringen von Lerndienstleistungen

3.4 Monitoring von Lerndienstleistungen

3.5 Evaluation durch den Lerndienstleister

Kap.4 Management des Lerndienstleisters

4.1 Allgemeine Managementanforderungen

4.2 Strategie und Unternehmensmanagement

4.3 Managementbewertung (auch Review genannt)

4.4 Vorbeugende Maßnahmen und Korrekturmaßnahmen

4.5 Finanzmanagement und Risikomanagement

4.6 Personalmanagement

4.7 Kommunikationsmanagement (intern/extern)

4.8 Ressourcenbereitstellung

4.9 Interne Audits

4.10 Feedback von interessierten Parteien

Als Ergänzung bietet die Norm Informationen zum Inhalt eines Geschäftsplans, zur Bewertung von Managementsystemen, Inhalte von vorbeugenden Maßnahmen und Korrekturmaßnahmen, Beispiele für Kernkompetenzen von Lerndienstleistern und einen Vergleich zwischen den Inhalten der ISO 9001 und ISO 29990 an. Diese können bei der praktischen Umsetzung helfen.

Vor- und Nachteile

Mit der ISO 29990 ist eine Norm geschaffen worden, die gleichzeitig international anerkannt sowie branchennah ist. So ergibt sich durch die branchennahe Internationalität eine Vergleichbarkeit über alle Ländergrenzen hinweg, die Vorteile sowohl für den Bildungsanbieter als auch für den Lernenden mitbringt. Ein weiterer Vorteil für den deutschen Bildungsmarkt ist die starke Ähnlichkeit zur Akkreditierungs- und Zulassungverordnung-Arbeitsförderung (AZAV). Bildungsorganisationen, die nach der ISO 29990 arbeiten, müssen für eine Zertifizierung nach AZAV die Anforderungen zwar identifizieren, aber nicht mehr zusätzlich erarbeiten.

Trotz all ihrer Pluspunkte, hat die Norm auch Nachteile. Da sie noch neu ist, gibt es unterschiedliche Breiten- und Tiefengrade der einzelnen Anforderungen, was Interpretationsspielräume zulässt. Es mangelt daher in einigen Teilen der Norm an Genauigkeit.

Sieht man darüber hinweg, ist aber die Kombination von organisationalen und pädagogischen Anforderungen gut ersichtlich. Für Bildungsorganisationen, die den Weg in strukturierte Managementsysteme finden wollen, ist die ISO 29990 daher ein guter Startpunkt, um sich darin zu bewegen.

Die CERTQUA – Gesellschaft der Deutschen Wirtschaft zur Förderung und Zertifizierung von Qualitätssicherungssystemen in der beruflichen Bildung (www.certqua.de) ist als spezialisierte Zertifizierungsorganisation schwerpunktmäßig im Bereich der beruflichen Bildung aufgestellt. In ihrem Leistungsspektrum bietet sie neben der Zertifizierung nach ISO 9001 und AZAV auch die Zertifizierung nach ISO 29990 an.

Bildquelle:  Sara Hegewald  / pixelio.de

ISO 29990 im Portrait – Die maßgeschneiderte Qualitätsnorm für die Bildungsbranche
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