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Exkurs: Qualitätssicherung im Hochschulbereich

Grundlagen, Struktur und Schwerpunkte der Akkreditierung von Studiengängen und von Hochschulen

Gastautor Dr. Heinz-Ulrich Schmidt
 

Qualitätssicherung im Hochschulbereich gibt es nicht erst seit der Unter-zeichnung der sog. Bologna-Erklärung durch die Hochschulminister aus 29 (inzwischen 48) europäischen Ländern im Jahre 1999, aber sie ist seitdem europaweit systematisch strukturiert und international und national umgesetzt worden.
Ziel des Bologna-Prozesses ist die Errichtung eines gemeinsamen Europäischen Hochschulraums, der gekennzeichnet ist durch die uneingeschränkte Mobilität der Studierenden, Absolventen und Hochschullehrer. Zu den Kernzielen des Bologna-Prozesses gehören die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und Studienabschlüssen, die Transparenz und Vergleichbarkeit der Abschlüsse im gestuften Studiensystem (Bachelor/Master), die europäische Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung nach Maßgabe der  von den Hochschulministern verabschiedeten "European Standards and Guidelines for Quality Assurance in Higher Education (ESG) ", die einheitliche Verwendung des europäischen Kreditsystems (ECTS), das der Transparenz der Arbeitsbelastung der Studierenden dient, der Zeugniserläuterung (Diploma Supplement) und des einheitlichen europäischen Qualifikationsrahmens.
Trotz aller Kritik sind die Ziele nach wie vor richtig; in der Umsetzung gibt es allerdings auch in Deutschland Defizite.

In Deutschland wurden die Ziele zunächst durch das Hochschulrahmengesetz des Bundes umgesetzt, das den Ländern vorschrieb, den Hochschulen die Einführung des zweistufigen Studiensystems mit insgesamt 5 Jahren Studienzeit (in unterschiedlichen zeitlichen Kombinationsmöglichkeiten) zu ermöglichen. Gesetzliche Basis für die Akkreditierung ist heute das Gesetz zur Errichtung der „Stiftung zur Akkreditierung von Studiengängen in Deutschland“ des Landes Nordrhein-Westfalen, das auf eine einvernehmliche Verabredung aller 16 Länder zurückgeht. Die Stiftung hat als Beschlussorgan den Akkreditierungsrat, der das deutsche Akkreditierungssystem regelt und organisiert.
Zu den gesetzlichen Grundanforderungen für Akkreditierungsverfahren gehört u.a. die:
Definition von Kriterien, Verfahrens- und Entscheidungsregeln für die Akkreditierung von Studiengängen und von hochschulinternen Qualitätssicherungssystemen (Systemakkreditierung)
Zusammenfassung der ländergemeinsamen und landesspezifischen Strukturvorgaben zu verbindlichen Vorgaben für die Akkreditierung durch die Akkreditierungsagenturen.

Das deutsche Akkreditierungssystem ist dezentral organisiert. Die Akkreditierung von Studiengängen bzw. von hochschulinternen Qualitätssicherungssystemen erfolgt durch Akkreditierungsagenturen, die hierfür eine Zulassung des Akkreditierungsrates benötigen. Derzeit sind zehn Akkreditierungsagenturen zugelassen, darunter die Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA).
Gegenstand der Programmakkreditierung sind Bachelor- und Masterstudi-engänge staatlicher und staatlich anerkannter Hochschulen in Deutschland. Um das Gütesiegel des Akkreditierungsrates für ihre Studiengänge zu erhalten, müssen sie folgende 10 Kriterien erfüllen:

1. Studiengangsziele
Das Studiengangskonzept orientiert sich an Qualifikationszielen. Diese umfassen fachliche und überfachliche Aspekte und beziehen sich insbesondere auf die Bereiche
wissenschaftliche oder künstlerische Befähigung,
Befähigung, eine qualifizierte Erwerbstätigkeit aufzunehmen,
Befähigung zum gesellschaftlichen Engagement
und Persönlichkeitsentwicklung.

2. Der Studiengang entspricht den Anforderungen des Qualifi-kationsrahmens für deutsche Hochschulabschlüsse
den Anforderungen der "Ländergemeinsamen Strukturvorgaben für die Akkreditierung von Bachelor- und Masterstudiengängen" und ggfs. landesspezifischen Vorgaben,
der verbindlichen Auslegung und Zusammenfassung dieser Anforderungen durch den Akkreditierungsrat.

3. Das Studiengangskonzept umfasst die Vermittlung von Fachwissen und fachübergreifendem Wissen sowie von fachlichen, methodischen und generischen Kompetenzen.

4. Der Studiengang ist in der Regelstudienzeit studierbar.

5. Die Prüfungen dienen der Feststellung, ob die formulierten Qualifikati-onsziele ereicht wurden.

6. Kooperationen
Beteiligt oder beauftragt die Hochschule andere Organisationen mit der Durchführung von Teilen des Studiengangs, gewährleistet sie die Umsetzung und die Qualität des Studiengangskonzeptes.

7. Ausstattung
Die adäquate Durchführung des Studiengangs ist hinsichtlich der qualitativen und quantitativen personellen, sächlichen und räumlichen Ausstattung gesichert.

8. Transparenz
Studiengang, Studienverlauf, Prüfungsanforderungen und Zugangsvoraussetzungen einschließlich der Nachteilsausgleichsregelungen für Studierende mit Behinderung sind dokumentiert und veröffentlicht.

9. Weiterentwicklung
Ergebnisse des hochschulinternen Qualitätsmanagements werden bei den Weiterentwicklungen des Studienganges berücksichtigt.

10. Antidiskriminierung
Auf der Ebene des Studiengangs werden die Konzepte der Hochschule zur Geschlechtergerechtigkeit und zur Förderung der Chancengleichheit von Studierenden in besonderen Lebenslagen umgesetzt.

Bei Erfüllung dieser Kriterien, die durch eine Gutachtergruppe geprüft und in einem Bericht festgehalten werden, beschließt das zuständige Entscheidungsgremium der Agentur je nach Sachlage

  • eine Akkreditierung des betreffenden Studiengangs (für 5 bzw. 7 Jahre),
  • eine Akkreditierung mit Auflagen,
  • eine Aussetzung des Verfahrens oder
  • eine Versagung der Akkreditierung.

Nach Abschluss des Verfahrens veröffentlicht die Agentur ihre Entscheidung, das Gutachten und die Namen der Gutachter in der Datenbank akkreditierter Studiengänge und verleiht dem erfolgreichen Studiengang das Siegel des Akkreditierungsrates. Übrigens: Die FIBAA verleiht bei erfolgreichen Programmakkreditierungen auf Antrag der Hochschule ihr eigenes, etwas anspruchsvolleres FIBAA-Gütesiegel. Besonders herausragende Studien-gänge erhalten das FIBAA- Premiumsiegel.
Schwerpunkte in der Programmakkreditierung sind gegenwärtig die Über-prüfung der angestrebten Lernziele, die adäquate Didaktik und die Prü-fungsformen sowie die wechselseitige Anerkennung von an anderen Hoch-schulen erreichten Lernergebnissen. Es zeichnet sich ab, dass auch den sog. Franchise-Studiengängen größere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss.
Bisher sind von den aktuell 16.397 Bachelor- und Masterstudiengaängen an deutschen Hochschulen lt. Statistik des Akkreditierungsrates lediglich 10.018 Studiengänge akkreditiert.
Alternativ zur Programmakkreditierung kann sich die Hochschule/die Fakul-tät/der Fachbereich für eine Systemakkreditierung entscheiden. Gegenstand der Systemakkreditierung ist jeweils das interne Qualitaätssicherungssystem im Bereich von Studium und Lehre, beschränkt auf Bachelor- und Master-studiengänge. Die relevanten Strukturen und Prozesse werden darauf hin geprüft, ob sie das Erreichen der Qualifikationsziele und die hohe Qualität der Studiengänge gewährleisten, wo-bei die European Standards and Guidelines (ESG), die Vorgaben der Kultusministerkonferenz  und die Kriterien des Akkreditierungsrates Anwendung finden. Die 7 Kriterien sind:

  • Qualifikationsziele
  • Hochschulinterne Steuerung in Studium und Lehre
  • Hochschulinterne Qualitätssicherung
  • Berichtssystem und Datenerhebung
  • Zuständigkeiten
  • Dokumentation
  • Kooperationen

Besondere Schwerpunkte gibt es dabei nicht; die Kriterien sind nicht substituierbar. Eine positive Systemakkreditierung bescheinigt der Hochschule/der Fakultät/dem Fachbereich, dass das Qualitätssicherungssystem geeignet ist, das Erreichen der Qualifikationsziele und die Qualitätsstandards der Studiengänge zu gewährleisten.
Bisher haben 37 von 387 Hochschulen die Systemakkreditierung erfolgreich durchlaufen.

Autor: Dr. Heinz-Ulrich Schmidt MDgt. a.D., Sonderbeauftragter der Foundation for International Business Administration Accreditation (FIBAA), Bonn